WENIGER ESSEN, MEHR LAUFEN

Das Innsbruck Alpine Trailrun Festival (IATF) 2018 hatte nicht einmal zu meinen Saisonhöhepunkten gezählt – diese stehen noch an -, und dennoch wurden die Tage in Tirol Ende April zu einem unvergesslichen Erlebnis.

mit Michael Wächter beim Marathon-Start

„Irgendwas würde ich im Frühjahr schon gerne laufen wollen“, hatte Rudi im Spätsommer 2017 gemeint. „Na ja, Innsbruck würde sich anbieten“, antwortete ich, weil ich schon selber einen Blick auf diesen Event geworfen hatte. Und somit nahm das Glück seinen Lauf. Das IATF erhielt sehr rasch den Status einer „Schwerpunktveranstaltung“ von Trailrunning Vienna, wir bemühten uns um viele Starter, um die Teamwertung zu gewinnen, um Zugtickets, Platzreservierungen, Hotelbetten. Wir haben Simon, unsere Kontaktperson im Organisationskomitee, ganz schön oft ganz schön genervt und erhielten immer freundliche, zuvorkommende Auskunft. Besten Dank, an dieser Stelle, nochmal!

Die Zugfahrt von Wien nach Innsbruck hatte das Flair einer Klassenfahrt, einmal ersuchten uns andere Fahrgäste, doch etwas leiser zu sein. Kurzum, wir hatten unseren Spaß.

Dieser war mir kurzzeitig vergangen, als ich um 12:30 Uhr am Start des Trailmarathons stand und neidisch an meine Laufkollegen und –kolleginnen dachte, die ihren 25-km-Wettbewerb bereits beendet und schon das erste Bier in der Hand hielten. Mir standen 42 km und 1400 Hm bevor, an einem wunderschönen und somit warmen, nein: heißen, Tag. Dass andere Läufer und Läuferinnen, Patrizia, Alice, Florina, Andi, und so weiter, schon seit Stunden unterwegs waren, um 65 oder 85 km zurückzulegen, verdrängte ich geflissentlich.

Das Training in den letzten sieben, acht Wochen war gut verlaufen, und ich wollte unter sechs Stunden bleiben. In der zweiten Steigung fehlte mir der Atem, ich verfiel von Lauf- in Schritttempo und konnte mir die Bemerkung eines andren Läufer anhören: „Hopp, hopp, da kommen noch ein paar Rampen.“ Eine Zehntelsekunde lang wäre ich ihm am liebsten an die Gurgel gesprungen, doch ich antwortete souverän mit einer Platitude, „Eile mit Weile.“

Die Organisatoren des Festivals haben abwechslungsreiche und absolut empfehlenswerte Trailstrecken zusammengestellt. Der Marathon führte durch die Sill-Schlucht, in der die Masse der Teilnehmer auf einem engen Pfad mehr für eine Wanderung denn für einen Lauf sorgte, mehrfach über Wurzelpfade, da und dort über Forststraßen und ganz wenig über asphaltiertes Gelände. Chapeau!

Nach 61 Minuten hatte ich die ersten zehn Kilometer bewältigt, nach knapp zwölf kam ich bei der ersten Labestation an. Mein Zimmer- und Marathonkollege Michael muss hier schon längst durch sein, dachte ich mir, griff eilig zu einem Becher Cola und war nach einer Minute wieder auf der Strecke. Und wer schließt von hinten auf mich auf? Freund Michael. „Was machst du denn da?“ „Ich hab mir an der Labestelle Zeit gelassen, bin auf die Toilette, habe getrunken und gespeist.“ „Jetzt muss die Entscheidung auf der Strecke fallen“, ahmte ich die TV-Kommentatoren der Formel 1 nach. Michael lachte, beschleunigte, und weg war er.

Ich war mit 2,5 Liter Wasser in einer Trinkblase, mit genügend Energy-Riegel und Drops gestartet und wollte mich auch an den weiteren Laben nicht großartig aufhalten. Bei der zweiten griff ich im Vorbeilaufen nach zwei Bananenstücken, bei der dritten bei Kilometer 25 aß ich einen meiner Riegel, trank Cola und Wasser und munterte Hannes auf, der sich im 65-km-Rennen befand. „Es wird schön langsam schwer“, sagte er. Ich klopfte ihm auf die Schultern, „17 Kilometer bis ins Ziel, große Klasse, was du machst!“, und lief wieder weiter. Die meisten Höhenmeter des Marathons kamen nunmehr auf mich zu, die Kilometerzeiten wurden langsamer, doch die Zielvorgabe von sechs Stunden sollte sich immer noch ausgehen.

Bei der nächsten Labe griff ich nach Schokolade, an der letzten lief ich unbeeindruckt vorbei.

„Du zahlst ja für die Verpflegung“, meinte ein paar Tage später eine Lauffreundin. „Aber ich fuhr nach Innsbruck um zu laufen, nicht um zu essen“, erwiderte ich.

Die Steigungen nahmen kein Ende mehr, und drei Kilometer vor dem Ziel hatte ich mich eigentlich von einer „Sub-6“-Zeit verabschiedet. So ein Mist auch!

„Denk an Langläuferin Marit Bjoergen“, sagte ich mir und erinnerte mich an den norwegischen Ausdruck: Stafett er stafett, eine Staffel ist eine Staffel, da kann vieles passieren, niemand sagte, dass es leicht werden würde. Solange die Uhr nicht sechs verstrichene Stunden anzeigen würde hatte ich das Recht und auch die Pflicht, für mein Unterfangen zu kämpfen.

Und ich erreichte das Ziel in 5:57 Stunden.

Ach ja, die Teamwertung! Trailrunning Vienna kam auf 1567 Punkte und damit auf Platz eins. Und dies sind die Akteure, die all diese Kilometer (=Punkte) erlaufen haben: Alice Zenz, Elisabeth Wacker, Patrizia Sini, Martina Pölzelbauer, Stefan Weitzer, Konstantin Wacker, Hannes Rotheneder, Michael Pölzelbauer, Dominik Glaser, Andreas Gindlhumer, Luis Fuelpas, Florina Vasutiu, Klaus Wesp, Georg Temml, Georg Teischinger, Thomas Hösel, Claudia Steininger, Barbara Gönitzer, Michael Wächter, Egon Theiner, Andrii Pogrebennyk, Stefan Gfatter, Natalia Rezunenko, Natascha Papousek, Anna Lipp, Julia Jokl, Julia Brandt, Elisabeth Baumgartner, Rudolf Peter, Dietmar Permesser, Andreas Hipfl, Josef Christern, Herbert Brunner.

Das IATF18 war für mich persönlich, und ich denke: für uns alle, ein großer Erfolg. Es schreit fast nach einer Wiederholung 2019. Aber wie sagt das Sprichwort? Kommt der Tag, bringt der Tag.

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