„152 TEILNEHMER WAREN SCHON ZUVIEL“

Einer der Mitorganisatoren des wohl exklusivsten Trailrunning-Wettbewerbs der Welt lebt und arbeitet in Wien – und kaum jemand weiß es. Ein Gespräch über Personalprobleme in der Atomindustrie, den Hardrock 100 und Regenschirme im Gewitter.

Mit Kris Kern - es ist mir eine Ehre!

Er ist 53 Jahre alt, in Pennsylvania geboren aber in Los Alamos in New Mexiko auf 2200 m Seehöhe zu Hause. Und momentan wohnt Kris Kern mit seiner Familie in Wien, wo er als Mitarbeiter der UNO-Agentur IAEA jene Nationen, die ein Atomenergie-Programm starten wollen, in Personalfragen berät. „Bevor überhaupt mit der Arbeit begonnen werden kann, benötigt man Experten. Und bis man diese gefunden oder ausgebildet hat, vergehen Jahre, ja: Jahrzehnte.“ Human Resources sind aber nicht das große Thema, wenn über Atomenergie gesprochen wird. Kern findet es schade, dass der Suche nach den handelnden Personen nicht größere Bedeutung beigemessen wird.

Doch wir haben uns im 2. Wiener Bezirk nicht getroffen, um über Atomprogramme zu sprechen, sondern über Trailrunning. Kris ist ein passionierter Läufer, der den Hardrock 100 bereits 15 Mal bestritten hat. Es ist ein exklusiver Event, Tausende bewerben sich, das Los bestimmt 145 Glückliche. Hardrock 100 ist eine Non-Profit-Veranstaltung und von einem ganz anderen Geist getragen als der Ultra Trail Mont Blanc (UTMB) beispielsweise. Ich denke an den Schwarzach Trail, an dem auch nur 140 Läufer und Läuferinnen zugelassen sind, und an das Innsbruck Alpine Trail Festival, das mit über 2000 Startern die größte Veranstaltung dieser Art in Österreich ist. Verschiedene Ansätze, verschiedene Möglichkeiten, verschiedene Philosophien – alle haben ihre Berechtigung.

Für den Hardrock 100 muss man sich qualifizieren, sowohl durch die freiwillige Mitarbeit bei einem anderen Ultra-Event, als auch durch die erfolgreiche Absolvierung eines Rennens, beispielsweise den UTMB (hier geht’s zur Liste) Und dann muss man nur mehr gezogen werden. Die Vorjahressieger sind gesetzt, fünf Läufer bzw. Läuferinnen kann der Renndirektor bestimmen. Insgesamt sind 33 Plätze jenen vorbehalten die den Hardrock 100 fünf Mal oder öfter bestritten haben; 45 Spots gehen an jene, die das erste Mal dabei sind. Die restlichen 57 sind für all jene, die zwar schon angetreten sind, aber weniger als fünf Mal das Ziel erreicht haben.

„Der Hardrock ist ein wahrlich hartes Rennen“, erzählt und erklärt Kern, „100,5 Meilen/161 km lang, mit 33.050 ft/10.000 Hm im Auf- und Abstieg. Handies Peak auf 14.048 ft/4200 m ist der höchste Punkt, insgesamt muss man 13 Mal auf eine Seehöhe von über 3700 m klettern. Das Rennen, das in Silverton, CO, beginnt und endet, ist lang, beschwerlich und an einigen ausgesetzten Stellen auch gefährlich. Es ist schwierig und mühsam, Versorgungsstellen einzurichten, zudem halten wir uns streng an die gesetzlichen Vorgaben, die in ,national forests‘ herrschen. Auch deswegen ist die Teilnehmerzahl äußerst limitiert. Wir haben nicht die Absicht zu wachsen, ganz im Gegenteil. Als wir einmal 152 Personen am Start hatten, mussten wir erkennen, dass es schon zu viele waren und einige unserer Verpflegungsposten überforderten.“

Kern hat in diesem Jahr den Hardrock 100 in 47:25 Stunden auf Platz 110 beendet, die Gewitter an den Versorgungsposten in Sicherheit ausgesessen. Das war nicht immer so. „Einmal waren wir in einer Gruppe auf dem Weg zum Handies Peak, als Blitze links und rechts von uns einschlugen. Einer der Läufer rannte mit einem Regenschirm. Ich konnte es nicht glauben. ,Nichts Persönliches‘, sagte ich ihm, ,aber ich schaue, dass ich von dir wegkomme‘, und lief ihm davon.“

Er läuft auch in Wien, hauptsächlich am Kahlenberg. „Es ist aber schon eine Herausforderung“, sich in Wien auf hochalpine Wettbewerbe vorzubereiten“, lacht Kern. „Höhenmeter können da und dort schon gemacht werden, doch die Seehöhe ist nicht gegeben. Wie auch immer, seit dem Hardrock in der zweiten Julihälfte bin ich bislang nur ein einziges Mal laufend unterwegs gewesen – zur Arbeit. Aber das ändert sich wieder.“

Wir plaudern über U4-U4 und RULT („das sind nette Trainingsläufe“, kommentiert er), ich spreche über den WUT und Wien Rundumadum und verspreche, ihm Links und Unterlagen zu Wettbewerben und Laufgruppen zukommen zu lassen. Wir vereinbaren, in Kontakt zu bleiben, vielleicht auch einmal gemeinsam laufen zu gehen – wenn es für mich nicht zu schnell und für ihn nicht zu langweilig sein sollte. Jedenfalls will ich noch mehr Geschichten aus den Rockys hören, weswegen diese Story hoffentlich eine Fortsetzung erfährt. Keep in touch!

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