109 KILOMETER, 4100 HÖHENMETER, 22:19 STUNDEN

Mein erster echter Ultra am Samstag, 1. Dezember, war ein Trainingstag in Schnee und Eis, bei dem sich Lauf- und Wanderschritt abgewechselt haben. Schwierige Bedingungen drückten die Kilometer-Pace, doch mein Fazit fällt positiv aus.

Von Kaltenleutgeben über den Anninger nach Mödling, von dort zurück zum Auto, das nach rund 35 Kilometern eine Art Labe für mich und meinen Lauf-Kompagnon Josef „Seppi“ Kladensky (70 Jahre alt und mit allen Ultra-Wassern gewaschen) war, dann weiter Richtung Laab im Walde, Purkersdorf, Mostalm, Sophienalpe, Hermannskogel nach Grinzing im 19. Wiener Bezirk: Die Angestellten des Supermarkts staunten nicht schlecht, wie wir nach rund 70 zurückgelegten Kilometern Essenswaren aller Art einkauften und gleich nach Bezahlung, zwischen Kasse und Ausgang also, verdrückten. Wir hatten es eilig, es ging ja auf der gleichen Fährte zurück nach Kaltenleutgeben.

Um 4 Uhr in der Früh waren wir gestartet, um 2:20 Uhr hatten wir unser Tag- (und Nacht-)Werk vollbracht.

Eigentlich hätten Seppi und ich beim „Trail del Cinghiale“ Ende November in Mittelitalien antreten wollen, doch eine Verletzung bei ihm und viele vorsorglich-warnende Worte in meinem Umfeld hielten uns von diesem Abenteuer ab. Dann eben etwas anderes, und der „444“-Verbindungsweg von Grinzing nach Mödling, eine der Hausstrecken Kladenskys, bot sich fast ideal dafür an.

Wenn wir aus unseren Autos steigen und im Eisregen stehen, laufen wir nicht los. Alle anderen Wetterbedingungen dürfen uns nichts ausmachen. So lautete unsere Devise, und weil es nur leicht schneite, begann mein bislang längster Lauf. Nach wenigen Minuten waren die Trailschuhe im 10 bis 15 Zentimeter hohen Schnee nass, somit auch die Füße – und sie blieben es den ganzen Tag über.

Je näher ich an die 50-km-Marke kam, umso nervöser wurde ich. Wie wird es mir nach 60, 70, 80, 90 Kilometern gehen, fragte ich mich immer wieder. Werde ich die Belastung muskulär aushalten? Werde ich genug essen, um dem Körper genug Energie zur Verfügung zu stellen? Ja, meine Knochen und Muskeln schaffen es, weit über die Marathondistanz hinauszulaufen. Und ja, ich aß, was ich nur essen konnte – u. a. massenweise Gels und Energy-Riegel, viel Schokolade, einige Kekse, ein Serrano-Schinken-Semmel, eine Banane, eine Handvoll Cashew-Nüsse – trank eine Schoko-Milch, vier Liter normalen Wassers (das mir zweimal gefror) und ein Liter Wasser versetzt mit dem kohlenhydratreichen Panaceo-Sport-Pulver. „Du bist ja nur beim Essen und Trinken“, flachste mein Kollege, der mit ein paar Keksen, drei Käsebroten und etwas Wasser sein Auslangen fand. (Deswegen sieht er auch aus wie ein Ultra-Läufer und ich neben ihm wie eine Tonne.)

Kilometer 100 erreichten wir nach 20:06 Stunden – mein Ziel war erreicht, meine Motivation im Nu verflogen. Die Herausforderung, der ich mich nun stellen musste, war, die letzten neun Kilometer zurück zum fahrbaren Untersatz auch noch zu überleben…

Panaceo hat kürzlich ein neues Produkt – Panaceo Energy - vorgestellt, das noch nicht (aber bald) im Handel erhältlich ist, das ich aber vorab schon testen durfte. Irgendwo zwischen Purkersdorf und Wiener Hütte verdünnte ich das Pulver und trank den Power Shot in einem Zug aus. Und er schmeckte nicht nur gut, sondern wirkte auch.

Langer Rede kurzer Sinn, ich ging nicht ein und schaffte es locker nach Kaltenleutgeben, wo Seppi und ich uns in die Arme fielen. Gut gemacht, meinte er, hast nicht gejammert und gemotzt und dein Ding durchgezogen. Kladensky hat den UTMB bestritten, den Badwater-Marathon, die „Diagonale der Verrückten“ auf Reunion, den Marathon des Sables, und viele andere Läufe, und alle wichtige lange Rennen in Österreich sowieso. Seine Worte bedeuteten mir sehr viel.

Am darauf folgenden Tag waren meine Beine etwas schwer und mein Körper müde, doch ich fühlte mich nicht wie erschlagen. Am Mittwoch lief ich mit einem Freund 10 Kilometer rund um den Faakersee. Und heute denke ich schon daran, wann ich die 100-km-Runde wiederholen werde.

Im Jahr 2018 wird es sich wohl nicht mehr ausgehen. Im Januar und Februar möchte ich läuferisch etwas kürzertreten. Also böte sich als nächstmöglicher Termin der 1. März an.

Nur als wichtige Memo: Bald mit Seppi telefonieren.

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